27.9.2018 – Medienbericht OeME-Tagung

Andrea Trümpy, Detlef Lienau, Uli Knoepfel<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-gl.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>9</div><div class='bid' style='display:none;'>687</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>
Ist immer die Religion der Grund für Konflikte? Oder sind es andere Gründe, die zu Auseinandersetzungen führen? Darüber diskutierte die OeME-Tagung der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Glarus.
Gret Menzi,
Andrea Trümpy, kantonale Kirchenrätin und Präsidentin der OeME-Kommission, begrüsste die OeME- Beauftragten der Kirchgemeinden und weitere Gäste im Chilcheträff «Glärnischbligg» in Ennenda zur kantonalen Tagung für Ökumene, Mission und Entwicklung.
Nicht wie geplant Markus Gamache aus Nigeria, sondern Detlef Lienau, Doktor der Theologie und Studienleiter von Mission 21, referierte im Rahmen der diesjährigen Kampagne «Frieden wächst mit uns» zum Thema «Religion: Konfliktursache oder Friedenspotential?»

Religion als «Brandbeschleuniger»
Ist immer die Religion der Grund für Konflikte? Oder sind es andere Gründe, die zu Auseinandersetzungen führen? Am Beispiel von Nigeria lässt sich das nicht so einfach erklären. Im Mai wurden 18 Christen ermordet, und auch im Juli gab es wieder Tote, insbesondere im mittleren Gürtel des Landes, wo das Wasser knapp ist und viel Weidewirtschaft betrieben wird. Der Konflikt entsteht zwischen den sesshaften Bauern, die Ackerbau betreiben, und den Nomaden, die ihre Viehherden nach der Ernte auf die Felder der Bauern treiben dürfen. Gründe sind die Wasserknappheit, die kürzeren Regenzeiten durch den Klimawandel und das fehlende Nass für das Vieh. Daraus entsteht ein Interessenskonflikt, der keinen religiösen Ursprung hat.
Der Glaube kommt dann wieder ins Spiel, wenn man weiss, dass die Bauern Christen und die Nomaden, Polizisten und der Gouverneur Muslime sind. Muslime schützen Muslime. Ist es dann ein Religionskonflikt? Die Religion ist nicht die Ursache, sie kann aber ein «Brandbeschleuniger» sein.
Nicht einig waren sich die Anwesenden bei den drei Fragen, die Detlef Lienau stellte. Nehmen die Konflikte auf der Welt zu oder ab? Spielt dabei die Religion eine Rolle? Ist das Christentum überdurchschnittlich konflikt- oder friedensfördernd?
Auf Grund der Wahrnehmung und der vielen Informationen sind es mehr Konflikte als früher, dabei kommt es auch auf den Zeitraum an und ob es 50 oder 300 Jahre betrifft. Wenn sich Religionen bekämpfen, wird es fanatischer und hat mehr Sprengkraft. Das Christentum wird eher als friedensfördernd wahrgenommen, geht es doch bei seiner Botschaft immer um Verzeihen. Je reicher ein Land ist, desto weniger Konflikte gibt es. In ärmeren Ländern ist das Konfliktpotenzial grösser, weil es um materielle Güter geht.

Friedensdorf in Nigeria
In der interreligiösen Siedlung Gurku in der Nähe der Hauptstadt Abuja leben 1200 Christen und Muslime zusammen. Es sind Vertriebene und Opfer des jahrelangen Terrors durch die Boko Haram. Markus Gamache, der die Siedlung gegründet hat, sagt dazu: «Vorurteile, Skepsis und Angst lassen sich nur überwinden, wenn man sich auf die Anderen einlässt und zusammen an einer gemeinsamen Zukunft baut.» Führungspersonen, ob religiösen oder politischen, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: «Wer Verantwortung in unserer Gesellschaft übernimmt, muss zuerst an sich selber arbeiten und den Weg der Liebe und des Friedens gehen.» Dies gilt nicht nur für die Friedensarbeit in Nigeria, sondern auf der ganzen Welt.
Nach kurzer Diskussion bedankte sich Pfarrer Ulrich Knoepfel, Kantonalkirchenpräsident und Beauftragter für die OeME, beim Referenten und den Frauen von der Kirchgemeinde Ennenda für das Gastrecht und den feinen Imbiss.

Gret Menzi

Infos zur diesjährigen Kampagne von Mission 21: www.mission-21.org/frieden