8.11.18 – Medienbericht: Begehbares Buch auf dem Rathausplatz

Bild Das Buch Website<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-gl.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>9</div><div class='bid' style='display:none;'>736</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>
Zum Reformationsjubiläum hat der St. Galler Künstler Josef Geier ein begehbares Buch geschaffen. Es lädt – exemplarisch anhand des 23. Psalms – zum Nachdenken über die Bedeutung der Bibel ein.
Madeleine Kuhn-Baer,
Alphornklänge von Otto Wyss, Werner Feldmann und Peter Zweifel inmitten des Verkehrslärms, hinter ihnen eine Skulptur in Form eines überdimensionierten Buches: Passanten blieben am Donnerstagmittag erstaunt auf dem Rathausplatz Glarus stehen. Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche hatte zur Vernissage mit dem St. Galler Künstler Josef Geier geladen. Dieser schuf zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation das «Buch der Selbsterkenntnis». Seit dem 1. Mai 2017 in St. Gallen an vier Standorten aufgestellt, steht die Buch-Skulptur nun bis 6. Dezember zentral in Glarus.

Inspirationsquelle für Josef Geier war der von Pfarrer Sebastian Doll vorgelesene Psalm 23: «Er gibt mir immer wieder Mut und Kraft im Wechsel von Glauben und Zweifel.» Seine Installation enthält 14 Stufen wie die Kreuzwegstationen Jesu, 12 Stahlsäulen wie die Apostel, ein schwarzes Innenleben wie das «finstere Tal» in Psalm 23 sowie zuoberst eine runde Öffnung als Sinnbild für Durchblick, Hoffnung und Weitsicht. An der Vernissage sang der Künstler das dazu passende Lied: «Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht.»

Schreiben, Lesen und Denken gelernt
Mit dem überdimensionierten Buch auf dem Rathausplatz Glarus lädt die Evangelisch-Reformierte Landeskirche zum Nachdenken über die Bedeutung der Bibel während der Reformation und deren Auswirkungen bis heute ein. «Es ist sehr sinnig, zum Gedenken an die Reformation ein Buch aufzustellen. Denn ein Buch, besser das Buch, hat unsere Welt verändert», sagte Pfarrer Ulrich Knoepfel, Präsident des reformierten Kantonalkirchenrates. Das wichtigste Anliegen der Reformation war es ja, das Wort Gottes, wie es in der Bibel überliefert ist, wieder in der Welt erklingen zu lassen – und zwar in den Volkssprachen.

Die Bibel habe nicht nur Schulbildung für breite Bevölkerungsschichten ermöglicht, sie sei auch ein Buch des Mutes: «Sie verkündet das JA Gottes zum Menschen. Du bist angenommen, und zwar ohne Vorbehalt. Du musst und kannst dir die Gnade Gottes nicht verdienen, aber du darfst sie im Glauben annehmen.» So sei sie auch ein Buch der Freiheit. Und ein politisches dazu: «Es geht um Gerechtigkeit und ums friedliche menschliche Zusammenleben. Die biblischen Propheten finden scharfe Worte gegen eigenmächtige Könige, gegen ungerechte Machthaber. Gott ist Anwalt der Schwachen», so der Kirchenratspräsident.

Heute seien wir gefordert, neu auf das Wort Gottes zu hören – auch dies eine reformatorische Errungenschaft, muss doch jede Zeit die biblische Botschaft für sich auslegen. Das begehbare Buch von Josef Geier fordert laut Ulrich Knoepfel heraus: «Wie kann das Wort Gottes heute in unseren existenziellen Fragen, in unseren gesellschaftlichen Herausforderungen und Fragestellungen Entscheidendes beitragen? Wie weit vermag uns das Wort Gottes heute – wie in der Skulpturöffnung symbolisch angedeutet – wie damals Durchblick, Weitblick, Überblick, Ausblick und Hoffnung vermitteln? Diese Fragen im Kanton Glarus in den Raum zu stellen, war unsere Absicht, mit der wir diese Skulptur von St. Gallen nach Glarus geholt haben. Wir hoffen, dass sich viele Glarnerinnen und Glarner inspirieren lassen.»

Madeleine Kuhn-Baer, Medienbeauftragte