Innensanierung der reformierten Kirche Mühlehorn

DSCN6399 (Foto: Walter Schaub)
ABSCHLUSSBERICHT DES ARCHITEKTEN (Toni Schnellmann) mit Ergänzungen des Präsidenten der Baukommission (Walter Schaub)
13.6.2020 / 9.8.2021
Toni Schnellmann und Walter Schaub,
Ausgangslage:
Nachdem im Spätsommer 2018 am Deckengewölbe und an den Wänden im Innern der Kirche wie über Nacht Risse entstanden bzw. aufgefallen waren und zahlreiche Trauben von Fliegen im Raum hingen, beantragten die zur Beurteilung herbeigerufenen Spezialisten eine Schliessung der Kirche aus Sicherheitsgründen. Es folgten umfangreiche Untersuchungen und Vorabklärungen durch verschiedene Fachleute. Das resultierende Massnahmenkonzept samt Kostenvoranschlag wurde dann an der Kirchgemeindeversammlung vom 15.Juli 2019 genehmigt. Bund, Kanton und Gemeinde sprachen namhafte Beiträge, dies unter der engagierten Federführung der kantonalen Denkmalpflegerin, Maja Widmer. Am 14. Nov. 2019 stimmte auch die Synode der Evang.-Ref. Landeskirche des Kts. Glarus dem Subventionsgesuch zu. Die Bauarbeiten begannen Ende August 2019 und konnten Anfang April 2020 abgeschlossen werden. An Pfingsten Ende Mai 2020 fand unter Corona-Schutzvorkehrungen der erste Gottesdienst im strahlend neuen Gotteshaus statt.
Erkenntnisse:
Das massenhafte Auftreten von Fliegen in jenem warmen Sommer scheint eine parallele Erscheinung zur Rissbildung gewesen zu sein. Im Dachraum über dem Gewölbe waren nur vereinzelte tote Exemplare anzutreffen. Da die Lüftung zur gezielten Regelung des Klimas im Kirchenschiff automatisch erfolgt, müssen die “Fliegen-Bewegungen” im Auge behalten werden.
Statik: Die Fundation der Kirche scheint unproblematisch. Leichte Setzungen mögen über die Jahrzehnte stattgefunden haben. Aktuelle Bewegungen, ausser bei Temperaturwechseln, können keine ausgemacht werden. Die festgestellten Fassadenrisse befinden sich u.a. an den schwächsten Stellen, nämlich über den Fenstern. Diese Mängel sind jedoch unbedenklich. Der Dachstuhl ist intakt und übernimmt die Wind- und Schneelasten. Das darunterliegende Mauerwerk kann diese Kräfte aufnehmen. Das Putzgewölbe ist unabhängig vom Dachstuhl zwischen die Aussenwände eingespannt. Schneelasten und Windkräfte haben, wenn überhaupt, einen äusserst geringen Einfluss auf die Decke.
Die freigespannte Gewölbekonstruktion aus Holzknaggen ist in einem guten Zustand. Bei den quer dazu gespannten Latten waren einige losgelöst, was Hohlstellen verursachte. Der verhältnismässig hohe Holzanteil des Gewölbes und der recht flache Korbbogen machen die Decke anfällig auf Feuchtigkeitsunterschiede mit dem Resultat, dass sie seit jeher mal wieder repariert werden musste. Dies geschah aber nicht immer mit den dazu geeigneten Materialien. So sind denn auch mit Silikon gefüllte Stellen gefunden worden. Dass die vorübergehende Schliessung der Kirche richtig war, wurde u.a. dadurch bestätigt, dass einem Stuckateur bei der Arbeit ein rund 2 kg schweres Putz-Element nach einer leichten Berührung in die Hände fiel.
Schwingungen und Vibrationen des Geläutes haben gemäss Ingenieur keinen Einfluss auf das Gewölbe. Der Turm selber scheint erstaunlich stabil zu sein. Zwischen Kirchenschiff und Turm sind keine Risse zu finden. Eine eindeutig klare Ursache für die Riss- und Hohlstellenbildung ist nicht auszumachen. Externe Erschütterungen durch zahlreiche Lastwagen auf der direkt angrenzenden Strasse, dann die schweren Güterzüge auf der nahen Transitachse, kleinere und erstaunlich zahlreiche Erdbeben in der Region (Konsultation der seismologischen Karte!), Sprengungen im Steinbruch ennet dem See, Ueberschallflüge der Armee, all diese Faktoren könnten über die Jahre zum plötzlichen Schadenbild beigetragen haben. Als Hauptursache vermutet man aber die extreme Hitze und Trockenheit des Sommers, die die latent vorhandenen Spannungen zusammenbrechen liessen.
Die Instandstellung der Kirche brachte auch historische Ueberraschungen ans Licht. So sind an Decke und Wänden zahlreiche Ornamente und pastellfarbene Sterne zum Vorschein gekommen. Und über der Orgel sind unscheinbare Fragmente einer Inschrift erschienen, die aber nicht zu einem Ganzen zusammengefügt werden konnten. Deshalb wurden sie wieder übertüncht.
Massnahmen:

Die Hauptarbeit betraf wie erwartet die Restaurierung des Putzes an Decke und Wänden. Dazu gehörte am Gewölbe auch das Anschrauben der losen Lattung, die Befestigung verschiedener Stuckteile und das stellenweise Verbinden des Grundputzes mit den oberen Schichten.
Die Oberflächenbehandlungen bestanden in Reinigung und teilweiser Farbentfernung sowie im Aufbringen der neuen Farbschichten gemäss Vorgabe der letzten Restaurierung in den siebziger Jahren. Leider wurden damals kunststoffvergütete Materialien verwendet. Deren Entfernung wäre jedoch ohne massive Schäden an den Deckputzen nicht möglich gewesen, weshalb man davon abgesehen hat. Die Farbbehandlung erfolgte primär im gesamten Putzbereich, aber auch bei den Metallfensterrahmen und partiell beim Holzwerk.
Auf dieselbe Art wurde auch der im Turm liegende, erdgeschossige Sakristeiraum saniert. Der Feuchtigkeitseintrag, verursacht durch die strassenseitige Aufschüttung, kann nicht verhindert werden. Es ist anzunehmen, dass bei der nächsten Kirchenreinigung dort wieder einzelne Flicke notwendig sein werden.
Der Dachstuhl erforderte keine Holzbaumassnahmen. Die Wärmedämmung ist zwar knapp, aber sehr gut angebracht. Sie musste für die Reparaturen auch nirgends geöffnet werden. So liess man alles beim Alten. Ein zusätzliches Einblasen von Zellulosefasern wäre praktisch möglich und bauphysikalisch unbedenklich gewesen. Dies hätte aber trotz des leichten Materials auf die ganze Fläche einiges an zusätzlichem Gewicht gegeben.
Wärmetechnisch erwünscht wäre an sich auch der Ersatz der äusseren, einfachen Schutzverglasung durch ein Isolierglas gewesen. Die Höhe dieser Kosten samt Aussengerüst betrachtete man aber als unverhältnismässig. Die Benutzungshäufigkeit ist ja nicht gross. Entscheidend ist deshalb das Klimamangement mit den vorhandenen, guten technischen Möglichkeiten.
Im Auge behalten werden muss der Kanzelbereich bezüglich Holzwurmbefall. Die betroffenen Teile wurden im Zuge der Renovation chemisch behandelt.
Kosten:
Die Restaurierung ist günstiger ausgefallen als beim KV angenommen (minus 30%). So mussten einzelne der vorgesehenen Arbeiten gar nicht ausgeführt werden. Vor allem war die Gewölbedecke doch in weit besserem Zustand als befürchtet. Insgesamt wurde nur das Nötige und Sinnvolle ausgeführt. Kleinere technische Anpassungen, die kurz- und mittelfristig angefallen wären, kamen noch hinzu. Somit sollten für längere Zeit keine Kosten mehr für Unterhaltsmassnahmen anfallen.
Dank:
Knapp ¼ der endgültigen Kosten von Fr. 393’000 wurden von grosszügigen Sponsoren übernommen. Anlässlich der Chilbi 2019 in Mühlehorn haben sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher bei den Aktivitäten der Kirchgemeinde wohlwollend und engagiert gezeigt. Dankbar sind wir für den unfallfreien Verlauf der Instandstellung. Den Behörden, Fachleuten, Handwerkern, Sponsoren und Baukommissionsmitgliedern gehört unser herzliche Dank!



Innenrenovation Kirche Mühlehorn
02.09.2021
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Fotograf/-in
Walter Schaub