Mit 43 eingereichten Projekten aus elf Kantonen (darunter auch die Gemeinde Grosstal in Glarus Süd) erreicht die Ausschreibung zum Zwinglipreis 2025 ein Rekordhoch. Der Hauptpreis ging an das St. Galler Projekt «SharingCommunity». Unser Gastautor Christian Kaiser* berichtet von der Verleihung am 2. November in Zürich.
Swantje Kammerecker,
«Siehe, ich mache alles neu!», heisst es in der Bibel (Ofb. 21:5), und die Kirche sei «semper reformanda», ständig zu erneuern, mahnen bis heute reformierte (und auch katholische) Theologinnen und Theologen, u.a. Karl Barth, immer wieder. Innovationen in Sachen kirchlicher Angebote scheinen auch dringend nötig – schliesslich leben wir in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen in einem Kirchenraum behaglich fühlen, obwohl eine Mehrheit (59 Prozent) immer noch an eine «höhere Macht» glaubt, und die spirituelle Sehnsucht nach Verbindung mit ihr bei sehr vielen vorhanden ist.
Darum beschloss der Schweizerische Protestantische Volksbund SPV zum Reformationsjubiläum 2015 erstmals einen Preis für kirchliche Innovation ins Leben zu rufen und nannte ihn den «Zwinglipreis». Zwar gehen die Meinungen der Theologinnen und Theologen darin auseinander, inwiefern Zwingli eigentlich ein Innovator war und nicht viel mehr ein Pfarrer, der die eigentliche biblische Tradition bewahren bzw. zu ihr zurückkehren wollte. In einem waren sich die Rednerinnen an der Zwinglipreis-Verleihung aber einig. «Die alten Wege, das Evangelium weiterzugeben, genügen nicht mehr», brachte es Rita Famos, die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS auf den Punkt: «Es braucht neue Formen der Gemeinschaft, neue Orte der Begegnung, neue sprachliche Formen.» Wie das gehen kann, zeigte die Vielfalt der für den Zwinglipreis 2025 eingereichten Projekte, 43 an der Zahl – ein neuer Rekord!
Bewerbungen gingen aus elf Kantonen ein. Am prominentesten vertreten waren die Kantone Bern, Thurgau und Zürich. Die Glarner Kirche ist mit dem Projekt Credo der Kirchgemeinde Grosstal vertreten; in einem Theaterprojekt führen Kinder der 1. bis 4. Primarklasse biblische Geschichten auf der Bühne auf. Die prominent besetzte Jury war hocherfreut über das Engagement, das sich in den Projekteingaben widerspiegelte: «Die Vielfalt der Projekte zeigt, dass sich zahlreiche Menschen Gedanken zur Zukunft von Kirche machen. Und es fällt dabei auf, wie liebevoll Kirchgemeinden darüber nachdenken, was die Leute im Ort brauchen.»
Den Hauptpreis des Zwinglipreises 2025 heimste das St. Galler Projekt «SharingCommunity» ein. Es steht unter der Leitung von Pfarrer Uwe Habenicht. «SharingCommunity»-Gottesdienste werden von Teams à drei Personen gestaltet, die jeweils unterschiedliche Rollen übernehmen: Sie wirken als Liturg/in, als Gastgeber/in und als Wegbegleiter/in. In entsprechenden Ausbildungsmodulen können Laiinnen und Laien diese Aufgaben erlernen und erproben. Mit ein Ziel des Projekts ist es, so dem Mangel an Pfarrpersonen zu begegnen. Und die Begeisterung der Laiinnen, die den Gottesdienst selbst gestalten dürfen, war bei der Preisübergabe sicht- und spürbar: Das Ziel sei eine Glaubensvermittlung «von Herz zu Herz», sagte ein Teammitglied.
Natürlich gab es auch unter den Projekten, die nicht in die Kränze kamen, wirklich spannende Neuerungen. Wie etwa das Lumeum aus dem Nidwaldischen, das multimedial und künstlerisch die Geschichte von Niklaus und Dorothea von Flüeh nacherzählt oder auch das Projekt Time-Out-Door aus dem thurgauischen Ermatingen; eine Art Mini-Pilgern am Freitagnachmittag zu einer Kapelle in der Umgebung, wo Laien zusammen eine musikalisch-besinnliche Andacht feiern. Selbstverständlich hätte es noch viel mehr innovative Projekte in der Schweizer Kirchenlandschaft gegeben, welche zeigen, dass die Kirche lebendig ist und sich erneuert, aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht am Wettbewerb teilgenommen hatten. Unter den rund 70 Teilnehmenden an der Preisverleihung herrschte jedenfalls eine ermutigende Aufbruchstimmung, und die Fachjury stellte in ihrem Bericht abschliessend fest: «Die Bewerbungen stimmen hoffnungsvoll, weil sie alle auf ihre je eigene Weise zeigen: In den Kirchen hierzulande wird fröhlich erprobt, riskiert und gerungen, um etwas Tapferes zu tun – um Gottes willen!»
Alle 43 Projekte finden sich mit Wort und Bild auf der Internetseite des Schweizerischen Protestantischen Vereins SPV www.spv-online.ch Dort kann auch die Zeitschrift «reflecture für reformierte Spiritualität und Reflexion» des SPV mit weiteren Infos zum Zwinglipreis bestellt werden.
*Christian Kaiser, Redaktor Reflecture und Pilgerbegleiter, hat den Gastbeitrag für die «Denkpause» der Glarner Nachrichten (zum 8.11.2025) zur Verfügung gestellt.
Bild: Das Siegerteam vom Projekt "Sharing Community" aus St. Gallen.
Nachtrag: Anerkennungspreise für drei weitere Projekte
Neben dem Hauptpreis vergab der SPV drei mit je 1000 Franken dotierte Anerkennungspreise:
- Der «Jonas Treff» der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona schafft jede Woche an zwei Nachmittagen einen Raum für Begegnungen mit und zwischen Menschen mit seelischen Belastungen. https://ref-rajo.ch/angebote/veranstaltungen/treffpunkt/jonas-treff/
- Das «Netzkloster» knüpft an alte klösterliche Traditionen an und will im urbanen und digitalen gesellschaftlichen Umfeld einen kontemplativen Alltag ermöglichen. Das ökumenische digitale Netzwerk wurde 2020 von der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz EMK gegründet und wird seit 2025 von der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche Zürich mitgetragen. www.netzkloster.ch
- Die Initiative «Wort-Hand» stellt dreiminütige Kurzfilme her, in denen biblische Geschichten im Livezeichnungsstil visualisiert und nacherzählt werden. Ein nützliches Tool nicht nur für den Konfirmanden-Unterricht! Die Idee entstammt der Neuenburger Kommunität Don Camillo in Montmirail. www.wort-hand.com
Darum beschloss der Schweizerische Protestantische Volksbund SPV zum Reformationsjubiläum 2015 erstmals einen Preis für kirchliche Innovation ins Leben zu rufen und nannte ihn den «Zwinglipreis». Zwar gehen die Meinungen der Theologinnen und Theologen darin auseinander, inwiefern Zwingli eigentlich ein Innovator war und nicht viel mehr ein Pfarrer, der die eigentliche biblische Tradition bewahren bzw. zu ihr zurückkehren wollte. In einem waren sich die Rednerinnen an der Zwinglipreis-Verleihung aber einig. «Die alten Wege, das Evangelium weiterzugeben, genügen nicht mehr», brachte es Rita Famos, die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz EKS auf den Punkt: «Es braucht neue Formen der Gemeinschaft, neue Orte der Begegnung, neue sprachliche Formen.» Wie das gehen kann, zeigte die Vielfalt der für den Zwinglipreis 2025 eingereichten Projekte, 43 an der Zahl – ein neuer Rekord!
Bewerbungen gingen aus elf Kantonen ein. Am prominentesten vertreten waren die Kantone Bern, Thurgau und Zürich. Die Glarner Kirche ist mit dem Projekt Credo der Kirchgemeinde Grosstal vertreten; in einem Theaterprojekt führen Kinder der 1. bis 4. Primarklasse biblische Geschichten auf der Bühne auf. Die prominent besetzte Jury war hocherfreut über das Engagement, das sich in den Projekteingaben widerspiegelte: «Die Vielfalt der Projekte zeigt, dass sich zahlreiche Menschen Gedanken zur Zukunft von Kirche machen. Und es fällt dabei auf, wie liebevoll Kirchgemeinden darüber nachdenken, was die Leute im Ort brauchen.»
Den Hauptpreis des Zwinglipreises 2025 heimste das St. Galler Projekt «SharingCommunity» ein. Es steht unter der Leitung von Pfarrer Uwe Habenicht. «SharingCommunity»-Gottesdienste werden von Teams à drei Personen gestaltet, die jeweils unterschiedliche Rollen übernehmen: Sie wirken als Liturg/in, als Gastgeber/in und als Wegbegleiter/in. In entsprechenden Ausbildungsmodulen können Laiinnen und Laien diese Aufgaben erlernen und erproben. Mit ein Ziel des Projekts ist es, so dem Mangel an Pfarrpersonen zu begegnen. Und die Begeisterung der Laiinnen, die den Gottesdienst selbst gestalten dürfen, war bei der Preisübergabe sicht- und spürbar: Das Ziel sei eine Glaubensvermittlung «von Herz zu Herz», sagte ein Teammitglied.
Natürlich gab es auch unter den Projekten, die nicht in die Kränze kamen, wirklich spannende Neuerungen. Wie etwa das Lumeum aus dem Nidwaldischen, das multimedial und künstlerisch die Geschichte von Niklaus und Dorothea von Flüeh nacherzählt oder auch das Projekt Time-Out-Door aus dem thurgauischen Ermatingen; eine Art Mini-Pilgern am Freitagnachmittag zu einer Kapelle in der Umgebung, wo Laien zusammen eine musikalisch-besinnliche Andacht feiern. Selbstverständlich hätte es noch viel mehr innovative Projekte in der Schweizer Kirchenlandschaft gegeben, welche zeigen, dass die Kirche lebendig ist und sich erneuert, aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht am Wettbewerb teilgenommen hatten. Unter den rund 70 Teilnehmenden an der Preisverleihung herrschte jedenfalls eine ermutigende Aufbruchstimmung, und die Fachjury stellte in ihrem Bericht abschliessend fest: «Die Bewerbungen stimmen hoffnungsvoll, weil sie alle auf ihre je eigene Weise zeigen: In den Kirchen hierzulande wird fröhlich erprobt, riskiert und gerungen, um etwas Tapferes zu tun – um Gottes willen!»
Alle 43 Projekte finden sich mit Wort und Bild auf der Internetseite des Schweizerischen Protestantischen Vereins SPV www.spv-online.ch Dort kann auch die Zeitschrift «reflecture für reformierte Spiritualität und Reflexion» des SPV mit weiteren Infos zum Zwinglipreis bestellt werden.
*Christian Kaiser, Redaktor Reflecture und Pilgerbegleiter, hat den Gastbeitrag für die «Denkpause» der Glarner Nachrichten (zum 8.11.2025) zur Verfügung gestellt.
Bild: Das Siegerteam vom Projekt "Sharing Community" aus St. Gallen.
Nachtrag: Anerkennungspreise für drei weitere Projekte
Neben dem Hauptpreis vergab der SPV drei mit je 1000 Franken dotierte Anerkennungspreise:
- Der «Jonas Treff» der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona schafft jede Woche an zwei Nachmittagen einen Raum für Begegnungen mit und zwischen Menschen mit seelischen Belastungen. https://ref-rajo.ch/angebote/veranstaltungen/treffpunkt/jonas-treff/
- Das «Netzkloster» knüpft an alte klösterliche Traditionen an und will im urbanen und digitalen gesellschaftlichen Umfeld einen kontemplativen Alltag ermöglichen. Das ökumenische digitale Netzwerk wurde 2020 von der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz EMK gegründet und wird seit 2025 von der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche Zürich mitgetragen. www.netzkloster.ch
- Die Initiative «Wort-Hand» stellt dreiminütige Kurzfilme her, in denen biblische Geschichten im Livezeichnungsstil visualisiert und nacherzählt werden. Ein nützliches Tool nicht nur für den Konfirmanden-Unterricht! Die Idee entstammt der Neuenburger Kommunität Don Camillo in Montmirail. www.wort-hand.com
