Auffahrt - weckt alle Sinne!

couleur-dandelion-10266709_1920 (Foto: pixabay free)
Was ist „Auffahrt“? Oder anders gefragt: Wie lässt man Leute sehen oder gar begreifen, also anfassen, was nicht zu sehen, geschweige denn mit Händen zu greifen ist?
Swantje Kammerecker,
Von Manja Pietzcker, Festtagsartikel (Fridolin-Zeitung Mai 2026)

Das ist zwar bei vielen Themen rund um Gott so, aber Auffahrt ist speziell. Denn es geht darum, dass der auferstandene Christus sich abermals von seinen Jüngern verabschiedet und dann eben „auffährt“. Wenn man so will, wollen wir im Gottesdienst also sehen, was NICHT MEHR zu sehen ist? Aber vielleicht geht es ja doch?! Und wie dann??
Der Mensch hat schliesslich ganz verschiedene Sinne: Uns fallen sofort Sehen, Hören und Tasten ein, eben Be-Greifen. Denn unser ganzes Verstehen entwickelt sich aus dem Anfassen. Nur, was das Kleinkind in die Hände (und den Mund) nehmen konnte, kann es verstehen. Nur was wir be-greifen, ist für uns wirklich da. Aber Sehen, Hören und Anfassen kann man das, worum es an Auffahrt geht, eben nicht. Dann haben wir da aber ja auch noch Nase und Zunge fürs Riechen und Schmecken. Doch kann man mit denen etwas oder jemanden wahrnehmen, der „auffährt“ oder „aufgefahren ist“?
Immer mal wieder hört man, es gäbe Menschen, die hätten den SIEBENTEN Sinn.
Moment, meint jetzt vielleicht einer, bisher waren es doch aber erst fünf!
Richtig! Der sechste Sinn ist uns nämlich oft nicht bewusst. Dies ist die Selbstwahrnehmung unseres Körpers. Auch wenn sie uns bei der Frage nach der Auffahrt vermutlich ebenso wenig hilft, ist dieser Sinn eigentlich sehr wichtig. Ohne Selbstwahrnehmung wüssten wir nicht, ob wir liegen, sitzen, stehen, gehen; ob wir angespannt oder entspannt sind. Vielleicht ist er gerade der Vermittler: Wer den sechsten Sinn schlecht spürt, tut sich wohl mit dem nächsten auch schwer:
Nämlich besagtem SIEBENTEN Sinn. Er ist das Gespür für die Dinge, die eben jenseits der sechs Sinneswahrnehmungen sind und die es dennoch zu geben scheint. Und ich behaupte: JEDE/R hat auch den! Nur ist uns das noch weniger bewusst. Und wenn schon Geruch und Geschmack extrem unterschiedlich von verschiedenen Menschen wahrgenommen werden, um wieviel mehr ist der SIEBENTE Sinn doch ganz individuell. Man kann das, was man da spürt, nicht beweisen. Und vor allem: man kann es naturgemäss eben NICHT sehen, hören, riechen… und schon gar nicht anfassen. Darum ist es auch so schwierig, darüber zu reden oder zu schreiben. Das geht uns heute so und das war vor 2000 Jahren nicht anders.

Jesus geht – der Heilige Geist kommt…
Nach einer intensiven Zeit, in der die Freunde mit Jesus unterwegs waren, kommt es zur Katastrophe: Er wird verhaftet, verurteilt und hingerichtet. Tot! Alles vorbei! Einige rannten direkt davon. Die Gemeinschaft drohte zu zerbrechen. Doch drei Tage später das Wunder: Sie konnten ihren Jesus - hocherfreut - nun als den Auferstandenen wieder sehen, hören, anfassen.
Aber dann erneut der Schreck: Dieser Jesus geht weg. Mit Ankündigung. Mit Vorwarnung sozusagen. Wieder alles vorbei? Er hat sie gewarnt, damit sie eben ALLE Sinne schärfen für das, was kommt.
Und er verspricht, einen „Tröster“ zu schicken, der sie begleiten soll, wenn er nicht mehr physisch unter ihnen ist. Der ihnen hilft, weiterzuleben - als Gemeinschaft. Dieser Tröster hat viele Namen. Meist sagen wir Heiliger Geist. Und weil man DEN nur mit dem SIEBENTEN Sinn spüren kann, heisst es eben auch: Er weht, wo er will. Man kann den Heiligen Geist nicht auf eine Karte bannen, wie es der Flightradar mit all den Flugzeugen am Himmel tut. Es ist unvorhersehbar, von wem er wo gerade, mit dem Gespür für das Besondere, erfasst wird.

Die Seele als Sinnesorgan
Vermutlich ist das Sinnesorgan des SIEBENTEN Sinnes eher das Herz oder unsere Seele. Es sitzt da, wo wir auch das spüren, was unser Leben unbedingt angeht. Wenn es wirklich wichtig wird. Wenn es aufs Ganze geht. Genau dort klopft der Heilige Geist auch an die Tür. Manchmal vielleicht nur leise – unser Herz müsste im übertragenen Sinne die Ohren spitzen. Aber ich bin gewiss: Bei jedem war er schon mal! Und darum ist Auffahrt wichtig: Jedes Jahr erinnern wir uns neu gemeinsam daran, dass Jesus uns versprochen hat, einen Tröster zu schicken – der uns begleitet, ermutigt und eben „inspiriert“.

Zwischen Auffahrt und Pfingsten leben die Jünger, und leben auch wir, im Dazwischen, in der Erwartung und Hoffnung auf den Heiligen Geist. 10 Tage zwischen Auffahrt und Pfingsten: eine Zeit, in der wir uns darin üben dürfen, unsere Sinne zu schärfen, damit wir ihn empfangen und wahrnehmen und als „für wahr“ annehmen. Wir üben, unserem eigenen Gespür zu trauen, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde, als wir sehen, hören, riechen, schmecken und anfassen können. Vielleicht auch darum gehen wir dazu gern nach draussen. Wir feiern den Gottesdienst nicht zwischen dicken Mauern, sondern da, wo alle Sinne wach und frei sind. Wenn ALLE Sinne wach sind, können wir es spüren: Gottes Kraft und Beistand ist da! Der Tröster ist da!

Komm Heiliger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft!

Bild:Pixabay