Wer hat denn das Wasser gemacht? Die Regierung, die Wissenschaft, gar der Pfarrer? Die Jugendlichen diskutieren. Und dann wird im Gottesdienst um das kostbare Nass gebetet…
Swantje Kammerecker,
Der war jetzt aber wirklich heiss, unser Sommer, nicht wahr? Und trocken war er auch, obwohl bei uns noch lange nicht so wie andernorts. Unsere Kinder vom Jugendgottesdienst haben denn auch Wasserflaschen aus ihren Ferien zurück in den Elmer-Chilbi-Gottesdienst gebracht und in der Kirche ausgestellt wie kostbare Kunstwerke. Interviewt von einer Schulkameradin, haben sie diese zum Thema „Wasser des Lebens" kommentiert und alle mussten zugeben, dass sie das Wasser nicht selber gemacht hätten. Einer hat sogar geschworen, dass er es nun wirklich nicht war. Und ich, der Pfarrer? Ich war es auch nicht. Und die Anwesenden waren es auch nicht.
Ja, wer hat denn das Wasser gemacht?
– Vielleicht die Regierung, schlug eine Jugendliche vor.
– Sicher nicht, meinte die andere, die können es nur trinken.
– Würde mich verwundern, erwiderte die Erste, wenn die Regierung nur Wasser trinken würde.
– Vielleicht die Wissenschaft?
– H2O meinst du? Die können es nur definieren aber machen können sie es auch nicht.
– Ja, was sollen wir denn tun, wenn wir Regen brauchen?
– Vielleicht einfach wie die uralten Völker es seit Menschengedenken taten: nach oben schauen und darum bitten.
Und genau das taten wir in unserem Gottesdienst, und siehe da! Ein herrlicher kühler Regen bedeckte das Glarnerland in den folgenden Tagen.
Jetzt ist aber da der Herr Selbergross, der weder an Gott noch an das Gebet glaubt und sagt:
– Der Regen wäre sowieso gekommen, auch wenn ihr nicht gebetet hättet.
– Ach so? Und was ändert denn das an der ganzen Sache, Herr Selbergross? Hat deshalb der Mensch jetzt plötzlich trotzdem das Wasser selber gemacht? Und wie sieht es denn aus an Weihnachten zum Beispiel, wenn Vater und Mutter schon genau wissen, was ihr Kind als Geschenk haben möchte, noch bevor es eine Wunschliste schreibt? Ist dann die Wunschliste überflüssig? Ist dann der Austausch mit Mutter und Vater wertlos?
Anscheinend kommt es halt doch darauf an, wie wir uns als Menschen sehen. Sind wir ein Produkt einer unpersönlichen Macht, die nicht weiss, was sie tut, eine Art KI, mit der man (anders als mit der aktuellen) nicht einmal kommunizieren kann? Oder sind wir Kinder göttlicher Abstammung, die da „oben“ ein offenes, elterliches Ohr haben?
Wir entschieden uns für das zweite Weltbild und darum haben wir gebetet.
Wir wünschen euch allen wunderschöne Tage, mit schon bald mal viel Farben und genug Wasser.
Pfarrer Beat E. Wüthrich
Ja, wer hat denn das Wasser gemacht?
– Vielleicht die Regierung, schlug eine Jugendliche vor.
– Sicher nicht, meinte die andere, die können es nur trinken.
– Würde mich verwundern, erwiderte die Erste, wenn die Regierung nur Wasser trinken würde.
– Vielleicht die Wissenschaft?
– H2O meinst du? Die können es nur definieren aber machen können sie es auch nicht.
– Ja, was sollen wir denn tun, wenn wir Regen brauchen?
– Vielleicht einfach wie die uralten Völker es seit Menschengedenken taten: nach oben schauen und darum bitten.
Und genau das taten wir in unserem Gottesdienst, und siehe da! Ein herrlicher kühler Regen bedeckte das Glarnerland in den folgenden Tagen.
Jetzt ist aber da der Herr Selbergross, der weder an Gott noch an das Gebet glaubt und sagt:
– Der Regen wäre sowieso gekommen, auch wenn ihr nicht gebetet hättet.
– Ach so? Und was ändert denn das an der ganzen Sache, Herr Selbergross? Hat deshalb der Mensch jetzt plötzlich trotzdem das Wasser selber gemacht? Und wie sieht es denn aus an Weihnachten zum Beispiel, wenn Vater und Mutter schon genau wissen, was ihr Kind als Geschenk haben möchte, noch bevor es eine Wunschliste schreibt? Ist dann die Wunschliste überflüssig? Ist dann der Austausch mit Mutter und Vater wertlos?
Anscheinend kommt es halt doch darauf an, wie wir uns als Menschen sehen. Sind wir ein Produkt einer unpersönlichen Macht, die nicht weiss, was sie tut, eine Art KI, mit der man (anders als mit der aktuellen) nicht einmal kommunizieren kann? Oder sind wir Kinder göttlicher Abstammung, die da „oben“ ein offenes, elterliches Ohr haben?
Wir entschieden uns für das zweite Weltbild und darum haben wir gebetet.
Wir wünschen euch allen wunderschöne Tage, mit schon bald mal viel Farben und genug Wasser.
Pfarrer Beat E. Wüthrich
