27.11.18 – Medienbericht: Vom Frieden zu reden, ist nie langweilig

Bild Moschee<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-gl.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>9</div><div class='bid' style='display:none;'>792</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>
Wie sieht Frieden aus der Sicht vom Islam, Judentum und Christentum aus? Die «Wochen der Religionen» haben gezeigt, dass Frieden für alle ein zentrales Anliegen darstellt. Und dass es nie langweilig ist, vom Frieden zu reden.
Madeleine Kuhn-Baer,
Die «Wochen der Religionen» stehen jeweils auch im Glarnerland im Zeichen von interreligiösen Begegnungen. Diesmal ging es um Friedensperspektiven aus Sicht des muslimischen, jüdischen und christlichen Glaubens. Dabei zeigte sich gemäss Pfarrer Ulrich Knoepfel, Präsident des kantonalen Kirchenrates der Evangelisch-Reformierten Landeskirche: «So unterschiedlich sie in ihren Traditionen sind, so zentral ist doch für alle Religionen das Anliegen des Friedens.» Vor allem verstehe man überall, den Frieden attraktiv zu thematisieren. Bei allen Traditionen gebe es dazu spannende und berührende Geschichten, Legenden und Gleichnisse. Sein Fazit: «Vom Frieden zu reden, ist nie langweilig.»

Offene Haltung des Imams
Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe mit einem Besuch in der Moschee Netstal. Zunächst konnten die Gäste am Abendgebet teilnehmen. Anschliessend führten der Präsident der islamisch-albanischen Gemeinschaft, Irfan Lika, und der Imam, Halil Avdulli, durch den Abend. Der in Netstal wohnende Imam ist erst seit Frühling 2018 in der Schweiz und lernt noch Deutsch. Er trug seine Überlegungen zum Frieden aus islamischer Sicht auf albanisch vor, zwei Mitglieder der Moschee übersetzten.
Die offene Haltung des Imams wurde gut sichtbar. Nonverbal mit der Ausstrahlung von Wärme, Herzlichkeit und Humor, aber auch inhaltlich mit einer modernen Auslegung des Islams, die eine weniger oft gehörte Seite des Korans betont, nämlich dass «kein Zwang» im Namen der Religion ausgeübt werden soll. Vor allem bei der Frage, die im interreligiösen Dialog am anspruchsvollsten ist – wie geht der Islam mit Menschen um, die sich vom Islam weg einer anderen Religion zuwenden –, wurde diese moderne Auslegung deutlich spürbar.

Keine gewalttätige Machtpolitik der Juden
Beim zweiten Anlass ging es um Friedensperspektiven im Judentum. Zu Beginn beleuchtete Jonathan Schoppig vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, SIG, im dialogischen Gespräch die verschiedensten Aspekte rund um den jüdischen Glauben und das Leben als Jude. Auch hier macht sich die Säkularisierung bemerkbar: Wie in den Kirchen beteiligen sich nur wenige Junge am synagogalen Leben.
Der Referent ging zudem auf die Konflikte in Schweizer Ferienorten ein, die sich aufgrund von Missverständnissen in der Begegnung mit orthodoxen Feriengästen entzündet hatten. Der SIG will deswegen durch Aufklärungsarbeit präventiv tätig werden.
Im zweiten Teil kam vor allem die Thematik des Friedens zur Sprache. Dazu lieferte Jonathan Schoppig Müsterchen aus chassidischen Geschichten. Nicht vergessen ging auch die Tatsache, dass das Judentum nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. nie eine gewalttätige Machtpolitik betreiben konnte, da die in alle Welt zerstreuten Juden überall eine Minderheit waren.

Franz von Assisi zu Besuch beim Sultan
Der letzte Abend war den Friedensperspektiven im Christentum gewidmet. Franziskaner Bruder Dr. Paul Zahner aus Zürich beleuchtete sie an einem anschaulichen Beispiel.
Franz von Assisi, Ordensgründer der Franziskaner, erlebte Anfang des 13. Jahrhunderts mehrere Kreuzzüge der Christen gegen die Muslime. Aus Neugier reiste er beim 5. Kreuzzug mit und versuchte, im Jahr 1219 in Ägypten den Anführer der Gegner, den Sultan al-Malik al-Kamil, zu treffen. Unter Lebensgefahr begab er ins Lager der Sarazenen (Muslime) und wurde erstaunlicherweise ehrenvoll empfangen. Mindestens zwei Wochen blieb er beim Sultan, führte lange Gespräche mit ihm und beobachtete die Glaubenspraxis der Muslime. Tief beeindruckt von deren Frömmigkeit, der Verehrung der Allmacht Gottes und der tiefen Ehrfurcht gegenüber den Heiligen Schriften kehrte er schliesslich nach Hause zurück.
In den Beschreibungen seines Besuches beim Sultan fand er nur respektvolle Worte für den anderen Glauben. Er nahm wahr und urteilte nicht. Die Bereitschaft zum Zuhören, zum Wahrnehmen und zum Lernen ermöglichten einen echten Dialog und die Kenntnis des vorher völlig Fremden.
Franz von Assisi machte deutlich, welches die Voraussetzungen für Dialog und Frieden sind: aufeinander zugehen, kennenlernen und bereit sein, sich auf Neues einzulassen. «Impulse, die wir auch heute gut gebrauchen können», sagte Pfarrerin Christina Brüll Beck, neue kantonale Kirchenrätin der Reformierten Landeskirche. (eing.)